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Leipzig-Buch von 1906, Teil 2

Leipzig-Buch von 1906, Teil 2
Gletschersteinpyramide im Gregorypark
Gletschersteinpyramide im Gregorypark

Das bereits von uns bejubelte Werk „Leipzig und die Leipziger – Leute, Dinge, Sitten, Winke“ bietet unendlich Material und Anregungen. Aus diesem Grunde jubeln und zitieren wir weiter. Zunächst soll es um ein paar verdiente Bürger gehen. Caspar René Gregory aus der Naunhofer Straße in Stötteritz z.B. war uns überhaupt kein Begriff. Unter dem Stichwort „Wissenschaft“ wird er 1906 als Professor und als „Mann ohne Mantel“ aufgeführt. Mysteriös! Interessant für uns ist er wegen eines Eintrags auf unserer Facebook-Seite. Als wir dort Mitte September nämlich die Gletschersteinpyramide abbildeten, schrieb Thomas K. darunter Gregorypark. Gregory – ein uns unbekannter Name, der jetzt ein bisschen Hintergrund erhält.

Von Ferdinand Goetz hingegen hatten wir schon gehört. Das betagte Buch informiert: „Lindenau, Lützener Straße 11. Dr. med., städtischer Schul-, Armen- und Impfarzt, Vorsitzender der deutschen Turnerschaft“. Heute werden in seinem Haus Schnitzel verzehrt. Und gegenüber beginnt die Goetzstraße. Den Namen des einstigen Chefredakteurs der Leipziger Volkszeitung, Franz Mehring, verbinden diejenigen in unserem Alter u.a. mit dem Franz-Mehring-Haus, einem ehemaligen Buchladen in der Goethestraße mit Hugendubel-Bedeutung und -Dimensionen. Über Mehring steht 1906 zu lesen: „In schwierigen Fällen Tauchaer Straße 19. Nie zu sehen, jeden Abend zu hören. Gräbt anderen eine Grube, fällt aber nie selbst hinein.“ Wir wechseln vom Journalismus in die Kunst: Als „Schrecken der Sittlichkeitsvereine“ galt zu jener Zeit doch tatsächlich Max Klinger („Plagwitz, Carl-Heine-Str. 6. Professor. Geh. Baurat. Dr.-Ing. Universalgenie.“).

Nun zum Bier: Georg Pfotenhauer („Eutritzsch, Markt 7“) wird „Der Gosenbaron“ genannt. Und zur Riebeck-Brauerei gibt’s ein Gedicht: „Ist rein und gut. Keine Katze im Sud. Aber Kater, ein Schock, Miauen im Bock.“ An einheimischen Bierbraustätten sind vor 112 Jahren gelistet: Bauer, Ernst, Täubchenweg 5/7. Kronenbrauerei, Co(nnewitz), Biedermannstraße 40. Naumann, C.W., Pl(agwitz), Zschochersche Straße. Offenhauer, M.A., Reitzenhainer Straße 91. Pottkämper, J., Eu(tritzsch), Braustraße 11. Riebeck & Co., Mühlstraße 13. v. Sternburgsche Brauerei, Lützschena. Thieme-Wiedtmarker, Tauchaer Straße 25. Ulrich, F.A., Windmühlenstraße 32. Vereinsbrauerei, Aktiengesellschaft, Braustraße 2b.

Und schließlich klärte man diese Frage:
Wo lernt man die Leipziger am besten kennen?
„In der letzten Elektrischen aus Eutritzsch.
Im letzten Omnibus aus Meusdorf.
Im letzten Zug aus Rötha.
Am letzten des Monats im Wirtshaus.
Im letzten Kahn aus Connewitz.
Beim letzten Walzer im Drachenfels.
Beim letzten Schoppen im Ratskeller.
Und beim ersten Erwachen am Morgen.“

wird fortgesetzt