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Sammler- und Wanderfreund Hardy

Wander- und Sammlerfreund Hardy

„Meine Wohnung sieht aus wie ein Trödelmarkt“, gesteht Hardy Heimburger, der seit 1967 DDR-Bieretiketten sammelt! Davor hatte er – angeregt von seinem Vater – bereits Streichholzschachteln (Zündholzetiketten) zusammengetragen; die sogenannte Mode-Serie, zu der zwölf Motive gehörten, hatte es ihm u.a. angetan. Sammler wie er und sein Vater trafen sich damals im Heinrich-Budde-Haus in Gohlis – und heute in der Gartenkneipe „Siegismund“ hinter der Russischen Kirche.

Unweit der Gartenkneipe, in der Karl-Siegismund-Straße, ist Hardy einst in die Schule gegangen, in die Gehörlosenschule „Samuel Heinicke“. Als Jugendlicher war er nach einer Erkrankung beidseitig ertaubt. „Nicht hören zu können, trennt von den Menschen“, sagt Hardy im Rückblick. Nach der Wende ist er allerdings wieder hörend geworden. Der aktive Bornaer hatte von Cochlear-Implantaten gelesen, sich gekümmert und Anfang der 1990er in der Berliner Charité diese Wunderdinger eingesetzt bekommen.

Davon erzählt er auch in einem Interview, das gerade erst im Bierdeckel-Magazin, einer Zeitschrift von Brauerei-Werbemittel-Sammlern, erschienen ist. Desweiteren spricht Hardy dort die Schwierigkeit an, neue Tauschpartner zu finden und überhaupt Etiketten, „die in meiner Sammlung noch fehlen“. Denn leider werde der Kreis der Enthusiasten immer kleiner. „Unser Hobby ist ein Auslaufmodell“, fürchtet der 70jährige. Vergeblich habe er z.B. seine Enkelin zu begeistern versucht.

„Die Raritäten verlieren an Bedeutung“, meint er, „weil die Interessenten weniger werden. Es kommt niemand Neues hinzu.“ Zum Glück sammelt Hardy nicht nur, er wandert auch – als Teil der Weitwandergruppe im Allgemeinen Leipziger Wanderverein (ALWV) läuft er regelmäßig durch die Botanik. Klar, dass er uns Ausflugsziele in seiner Heimatregion empfehlen kann:

Aktuell zu Ostern den Ostereierbaum in Zedlitz bei Borna, außerdem die Schlösser Prießnitz und Frohburg, die Mühlen in Schönau und Wyhra, den Harth- und den Bockwitzer See sowie den Fockendorfer Stausee samt Ausflugsgaststätte, das Maislabyrinth bei Bubendorf, die Hochhalde Trages mit Aussichtsturm und die wegen des Braunkohleabbaus spektakulär von Heuersdorf nach Borna versetzte Emmauskirche.

Stichwort Braunkohle: Für die arbeitete der gelernte Datenverarbeiter im Bornaer Rechenzentrum im Drei-Schicht-System, zunächst als Operator, nach einem Fernstudium zum Ingenieur-Ökonom dann als Technologe. Und später war Hardy noch fast zehn Jahre bei der Volkssolidarität tätig. Wir danken ihm für die historischen Bieretiketten, die er uns für mehrere Beiträge zur Verfügung gestellt hat und auch für seine Beschreibungen der an die Völkerschlacht erinnernden Apelstein-Touren!

Treffen könnt Ihr ihn am 11. April 2026 ab 16 Uhr in der Orangerie Markkleeberg bei der Gründungsveranstaltung des Bierkulturvereins Markkleeberg (Eulenbräu), welcher für August 2026 eine Bierwanderung angekündigt hat und damit zwei Hobbys von Hardy vereinen wird.

Bierdeckel-Magazin: www.fvb-bdm.de
Allgemeiner Leipziger Wanderverein: www.leipzigwandert.de

siehe u.a. unsere Beiträge „Von Aureator und Leipziger Pilsner“ (März 2023) sowie „Wanderbare Apelsteine, Teil 1-3“ (März, April bzw. August 2023)