Beim Schäfer namens Wolf

Schafe im Auewald (Symbolbild, nicht Wolfs Herde)

Schafe im Auewald (Symbolbild, nicht Wolfs Herde)

(J.R.) In der Umgebung von Leipzig erlebten einige weitere Paten und ich* an einem schönen Sonnabend einen interessanten Tierpatenschaftstag. Partheschäfer André Wolf ist kein hauptberuflicher Schäfer, er ist Umweltjurist und Geograf und hält die Tiere als Hobby und Nebenerwerb. „Alle Fachgebiete“, so meint er schmunzelnd, „sind aber heutzutage sehr hilfreich für meine Arbeit als Hobby-Schäfer.“ Seinen Namensvetter, den Wolf, muss er zum Glück hier am Stadtrand (noch) nicht fürchten. Seine Herde umfasst aktuell 90 Muttertiere und 80 Lämmer, vor allem Leineschafe und Skudden. Die einen sind frohwüchsige, marsch- und widerstandsfähige Landschafe, die anderen eine kleinere, ursprünglich aus Ostpreußen stammende Rasse. Friedlich grasen sie gemeinsam auf der Wiese, ruhen sich unter alten Bäumen aus und springen behände auf, wenn Wolfs Auto am Wiesenrand hält. Dann gibt es erst einmal Streicheleinheiten. „Das muss sein“, meint der Schäfer. Auch Namen vergibt er hin und wieder, darunter Fledermaus oder Gartenfee.

Der Besuch bei den Patenschafen ist natürlich immer etwas Besonderes. Hobbyschäfer André Wolf und seine Frau hießen uns herzlich willkommen. Sie haben viele Fragen zur Schäferei beantwortet. Obendrein konnte man beim Schauscheren, beim Klauenschneiden und beim Ohrmarkensetzen zuschauen. Und es war genug Zeit zum Beobachten, Streicheln und Fotografieren. Meine Erkenntnis lautet: Schäfer, selbst Hobbyschäfer zu sein, ist ein schweres und vielseitiges Steckenpferd! Viele haben falsche Vorstellungen vom Schäfer, sehen ihn meist nur auf seiner Schäferschippe, einem traditionellen Werkzeug der Schäferei und Schafzucht, ruhend der Herde gemütlich zuschauen. Doch das Ein- und Auspferchen, das Helfen beim Lammen, die Wurmbehandlung der Tiere, das Scheren (mindestens einmal im Jahr), das Schneiden der Klauen (drei, vier Mal im Jahr) oder die finanziellen Aufwendungen z.B. für Tierarzt, Futter, Medikamente sind den meisten nicht bewusst. Ebenso wenn ein Schaf mal ausbüchst, krank wird oder wie beispielsweise Mitte Juli tatsächlich Alarm auf der Koppel herrscht, ausgelöst durch ein Unwetter, als schlagartig Blitz, Donner, Sturm und Starkregen über das Gelände fegte. Über die Nässe der Gräser kam zu viel Erdung, demzufolge wurde die Zaunbatterie leergezogen. Weiterhin fragen Tiere nicht nach Sonn- und Feiertagen und es interessiert sie auch nicht, ob der „Chef“ gerade im Urlaub ist!

Mit Hilfe von Patenschaften kann man den Aufwand des Schäfers würdigen und bekommt dafür nicht nur eine Weidepatenschaftsurkunde sowie die Möglichkeit, die Schafe jederzeit zu besuchen, sondern auch ein halbes Schlachtlamm, grob zerlegt und vakuumiert. Außerdem wird man im Laufe des Jahres mindestens zu einem Patenschaftstag eingeladen. Die Patenschaft für ein Leineschaf mit Fleischanteil für ein halbes Schlachtlamm beträgt 140 Euro und für ein Skuddenschaf mit Fleischanteil für ein halbes Schlachtlamm 120 Euro. Altersrenten für Schafe sind ebenfalls möglich und reine Herdenpatenschaften sehr gern gesehen**. Und bei aller Euphorie für den Beruf, das Hobby, den Nebenerwerb: Es fehlt an Schäfernachwuchs!

* Jens Rübner, selbst Pate eines Leineschafes, 59 Jahre, aus Leipzig (ab und zu Autor auf Geheimtipp Leipzig)
** bei Interesse könnt Ihr über uns Kontakt zu Schäfer Wolf aufnehmen

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