Wenn Hans-Werner zu rasant am Straßenverkehr teilnimmt und darauf von seiner Frau Eva hingewiesen wird, sagt er manchmal im Scherz: „Ich kann nichts dafür, mein Vater war Rennfahrer.“ Doch der Scherz hat einen wahren Kern, Edgar Krannich nämlich betätigte sich wirklich als Rennfahrer, es gibt Fotos und Zeitungsausschnitte, die das belegen.
Edgar Krannich, 1899 geboren, stammte aus Rehbach im Südwesten von Leipzig und hatte seine „ständige Adresse“ (laut Internationaler Fahrer-Lizenz von 1932) in der Großen Fleischergasse 18. Von dort sowie aus der Rudolphstraße 8 leitete er eine Generalvertretung für Motorräder der englischen Marke Rex-Acme. Und genau auf solchen Fahrzeugen nahm er auch an sportlichen Wettkämpfen teil.
Im Braunschweiger Allgemeinen Anzeiger vom 12. Juli 1930 lesen wir unter der Überschrift „Die heutigen Motorradbahnrennen“ unter anderem: „Im dritten Rennen, dem Brocken-Preis, geht außer den oben erwähnten Fahrern auch noch der sächsische Landesmeister Krannich (Leipzig) auf Rex-Acme an den Start.“ Das Chemnitzer Tageblatt berichtet am 30. September 1929 von einem „böse aussehenden Sturz“ und führt aus: „Krannich-Leipzig kam bei dem Versuch, Ernst-Breslau in der Zielkurve zu überholen, zum Sturz und wurde gegen die Umzäunung geschleudert, kam aber glücklicherweise mit leichteren Hautabschürfungen davon.“
Eine Bildunterschrift im Sport-Sonntag vom 9. September 1929 lautet: „Krannich (Leipzig) siegte auf Rex Acme im Preis der Klassefahrer.“ Der Artikel dazu ist ebenfalls interessant: „Für die ersten diesjährigen Leipziger Motorrad-Bahnrennen, die am Sonntag auf der Lindenauer Sportplatzbahn stattfanden, zeichnete die Vereinigung Leipziger Motorfahrer e.V. 1910 DMB verantwortlich. Was mit dieser Schutzmarke abgestempelt ist, ist immer erstklassig …
Der beste Mann am Platze war der Kölner Frentzen. Die Schnelligkeit seiner Maschine, die ausgezeichnete Kurventechnik und das Draufgängertum des Kölners nahmen die Zuschauer sofort für ihn ein, und so vermochte Frentzen diesmal die Rolle zu spielen, die in früheren Jahren Rüttchen und Stegmann auf dem Leipziger Zement spielten. Nach ihm sind der Holländer Herkuleyns und der Leipziger Edgar Krannich zu nennen, von denen sich Letzterer mehr und mehr zu einem Klassefahrer entwickelt …“
Über das Rennen der Klassefahrer heißt es: „Kramer, Krannich, Stegmann, Ernst, Jühling, Habeney haben sich für den Endlauf qualifiziert. Kramers Maschine ist defekt geworden und er verzichtet zugunsten seines Landsmannes Steeger auf die Teilnahme am Endlauf. Steeger zieht vom Start weg mächtig los und liegt nach vier Runden überlegen an der Spitze, die ihm keiner seiner Gegner im weiteren Rennverlauf mehr streitig machen kann.
Krannich folgt seinem Landsmann und bringt Ernst hinter sich, kommt jedoch nicht zum Angriff. In der 35. Runde erleidet Stegmann Reifenschaden und kommt zu Fall. Steeger scheint das Renen bereits sicher zu haben, als ihm fünf Runden vor Schluß das Auspuffrohr wegfliegt und Krannich so zu einem ‚unblutigen‘ Erfolg kommt.“
Ein weiterer Ausschnitt aus einer nicht zu ermittelnden Zeitung führt uns zurück ins Jahr 1930. Auf der neuerbauten (Holz-)Radrennbahn am Böllberger Weg in Halle ging es am 12. Oktober vor 6.000 Zuschauern um Preise und Pokale, u.a. um den Großen Preis der Stadt Halle. „Den ersten Vorlauf konnte Wemhöner nach brillanter Fahrt, mit einer Runde Vorsprung auf seine Siegesliste buchen. Zweiter wurde der recht überzeugend fahrende Leipziger Krannich auf ‚Rex-acme‘.“ Im Endlauf konnte sich unser Mann dann leider nicht ganz vorne platzieren.
Auch 1931 fuhr Edgar Krannich um die Wette, es existiert ein Schreiben vom ADAC Gau Rheinland, in dem er für das Motorrad-Bahnrennen auf der Stadionbahn Wuppertal-Elberfeld am 31. Mai 1931 „engagiert“ wird. Zu absolvieren waren in allen sechs Läufen jeweils 40 Runden, was 20 Kilometern entspricht. 1932 fuhr er ebenso, denn sonst hätte er die oben genannte Fahrer-Lizenz für dieses Jahr nicht gebraucht.
Dank Wikipedia wissen wir, dass Rex-Acme 1933 die Produktion einstellte, und von Hans-Werner, dass sein Rennfahrer-Vater später Bürgermeister der Gemeinde Wildenhain in der Dübener Heide geworden ist. Witzig erscheint uns, dass der heutige Ortsteil von Mockrehna einen Kranich als Maskottchen hat.
Danke, Hans-Werner, für das wundervolle Material!

