(J.R.) … klingt nach Varieté und Zirkus, und tatsächlich ist es diese geheimnisumwitterte Welt, in die ein Film uns führt. Da ist der Seiltänzer Tonio Tonelli, dargestellt von Ferdinand Marian, mit seiner Frau (Mady Rahl) und seinem Partner Tino (Albert Hehn). Wenn die Drei ihre halsbrecherischen Kunststücke zeigen, wenn sie sich lächelnd vor dem applaudierenden Publikum verneigen, ahnt niemand etwas von der tödlichen Spannung zwischen den Artisten. Tonelli spürt, dass seine Frau ihm nicht treu ist. Durch einen Zufall erfährt er, dass sie ihn zusammen mit Tino verlassen will. In aller Öffentlichkeit lässt er sich zu Drohungen gegen den Rivalen hinreißen. Die Kollegen fürchten das Schlimmste. Ahnungsvoll sehen sie sich am Abend die Arbeit der Tonellis an. Da geschieht das Unglück: Ein Körper wirbelt durch die Luft und schlägt hart auf dem Boden auf. Für alle Augenzeugen steht fest: Das war Tonellis Werk. Ob sie mit ihrer Annahme recht behalten?
Der Bavaria-Film „Tonelli“ wurde 1943 produziert und erzählt eine Eifersuchtsgeschichte im Zirkusmilieu. Ein häufiges Thema bei Zirkusfilmen dieser Ära war die Authentizität der Stunts. Da es zu jener Zeit keine digitalen Effekte gab, arbeiteten die Schauspieler eng mit echten Artisten zusammen und wurden in gefährlichen Szenen durch diese gedoubelt. So auch hier, vor allem bei den halsbrecherischen Drahtseilakten. Es war damals üblich, dass die Stunt-Leute nicht im Abspann erwähnt wurden. So wusste so gut wie niemand, dass hinter den clownesken Darbietungen der Leipziger Artist Günter Metz stand. Die Bavaria war auf der Suche nach jemandem gewesen, der auf dem Hochseil ohne Netz und doppelten Boden komische Kunststücke zeigen konnte. Sowohl bei den Vorbesprechungen zum Film als auch während der Dreharbeiten führte Günter Metz derart verrückte Sachen vor und auf, dass ihm Produktionsleiter Georg Witt anschließend schriftlich gestattete, den Filmnamen Tonelli als Künstlernamen verwenden zu dürfen.
Die Showfamilie Metz-Tonelli umfasst weiterhin Ehefrau und Sängerin Hannelore Kalin sowie die Söhne Andy und Frank – alle glänzten einst mit fröhlichen Auftritten im „Kessel Buntes“, einer der populärsten Unterhaltungssendungen des DDR-Fernsehens. Den Anfang machte 1973 Vater Günter Metz-Tonelli. Er doubelte den Leipziger Manfred Uhlig, dem er zufällig ähnlich sah und der auch noch in seiner Nachbarschaft wohnte. Metz-Tonelli doubelte Uhlig u.a. mit einer Nummer, die wie Brustschwimmens auf dem Drahtseil wirkte, jene Darbietung hatte er bereits 30 Jahre zuvor im oben erwähnten Film gezeigt. Hannelore Kalin trat 1982 als Sängerin im „Kessel“ auf. Sie sang volkstümliche Melodien und jodelte schon in den 1950ern mit ihrer Schwester Jutta als Geschwister Kalin. Im Fernsehfilm „Verliebt nach Noten“ (Erstausstrahlung 1960) kann man die Zwillinge sehen. 1961 traten sie letztmalig gemeinsam auf. Jutta hatte kurz vor dem Mauerbau einen Westberliner Artisten geheiratet. Hannelore machte allein weiter bzw. mit Eberhard Hertel und war oft Gast in beliebten Fernsehsendungen, wie dem „Oberhofer Bauernmarkt“. Außerdem begleitete sie jahrelang ihren Mann Günter als Assistentin auf dessen Tourneen.
1988 zeigten dann auch Andy und Frank mit einer Gentleman-Jonglage in der großen Samstagsabendshow des DDR-Fernsehens ihr Können. Die Brüder galten sowohl als Jongleure als auch als Clowns. Frank, bekannt als Tonelli, ist mittlerweile hauptsächlich Musiker und war knapp 30 Jahre lang Gastronom. Nach seiner Zeit als Artist, in der er die halbe Welt bereiste, eröffnete er 1997 an der Ecke von Matthäikirchhof und Dittrichring Tonellis Blues-Bar. Die Live-Musikkneipe wechselte später ohne die alleinige Festlegung auf Blues u.a. ins Kulturbundhaus in der Elsterstraße sowie das Städtische Kaufhaus am Neumarkt, wo sich Tonelli Jr. ganz nach dem Motto „Einmal Bühne – immer Bühne“ bis Dezember 2025 als Gastgeber austobte. Heute können wir ihn in verschiedenen Formationen erleben – mit P 70, The Last Deal (vormals Peter’s Deal), den Soulfriends und einer Frank-Sinatra-Band. Der Künstlername seines Vaters lebt in ihm fort …
Herzlichen Dank an Jens Rübner (J.R.) für diesen Text und Hannelore Kalin sowie Frank Metz-Tonelli für das Öffnen des familiären Fotoarchivs!

