Mit den „Kindern von Golzow“ können wir uns nicht messen, von den Fähigkeiten her und von der Zeit, die man in die Sache stecken müsste, aber immerhin beobachten wir das Geschehen in Leipzig auch schon über Jahrzehnte und haben dabei eine Menge Fotos angesammelt. Und je älter die werden, um so interessanter werden sie. Damit es jedoch nicht zu schön wird, haben wir nur mittelalte Bilder rausgesucht – aus den Jahren 2013 bis 2018.
2013 hätten wir keinen Pfifferling auf die Lützner Straße gesetzt, wir hielten sie für verloren. Wer sollte sich hier ansiedeln bzw. wohnen wollen angesichts von Verkehrslärm, Leerstand und dem optischen Zustand der Häuser? Doch man muss sich auch täuschen können! Zur Zeit werden zwei alte Schandflecke saniert, zum einen das Eckhaus an der Merseburger Straße und zum anderen die schon ewig verlassene Texafol-Fabrik hinten am Kanal.
Auf unseren Bildern leuchtet der berittene Doppeldenk-Löwe mit frischer Farbkraft vom Giebel, denn damals war er neu, dafür hatten Schlosser Alester und Schneider/in Unbekannt ganz in der Nähe (Nummer 59) offensichtlich die Handtücher geworfen. Nebenan in der Nummer 57 kann man aktuell portugiesisch Kaffee trinken.
Gelungene Straßenkunst nahmen wir 2017 am Erdgeschoss des Kaufhauses Held auf – der Mann mit den Fingern im Gesicht schien nachdenklich bis traurig, während die Typen mit der Cleopatra-Haartracht eher lustig wirken, vor allem in der Kombination mit dem Friseur-Marcel-Schild. Das schöne Kaufhaus steht schon ewig ungenutzt an der Ecke zur Merseburger Straße, mittlerweile hat auch Kik gegenüber die Verkaufsräume verlassen.
Das Café Ino hingegen muss 2017 neu aufgemacht haben, das Haus dort machte auch lange einen betrüblichen Eindruck, wir zeigen Bilder davon in unserem Beitrag „Kaffeefahrt durch Leipzig VII“ (April 2024). Zwei Hausnummern weiter in Richtung Stadt wartet ein gelungener Jugendstilbau auf die Klärung eines Sachverhalts und die anschließende Sanierung. Wir würden uns freuen, die Göttin an der Fassade jedoch schaut ziemlich hinter ihrem Netz hervor.
Und wieder daneben befindet sich der Campus West der Sächsischen Lehmbaugruppe, dort fingen wir im Dezember 2015 ein originelles Lichtspiel ein, das wir auch auf unserer Facebook-Seite zeigten. Gisbert Geißler von der Lehmbaugruppe sah das und verriet uns, dass das Haus in der Lützner Straße 93-95 deren Verwaltungsgebäude sei. Die Fassade war seinerzeit frisch gestrichen worden – darauf wollte man aufmerksam machen. Von einem Hotel in Dijon hatten die Lehmbauer die farbenfrohe Idee übernommen.
Zuguterletzt widmen wir uns dem VEB Texafol, alte Anwohner sagen auch Jutespinnerei, der Lindenauer Stadtteilverein klärt auf seiner Internetseite vorbildlich auf und beginnt die Geschichte um 1900 mit der Planen-, Zelte- und Säckefabrik Tränkner & Würker, aus der zu DDR-Zeiten der VEB Texafol wurde.
1991 verwandelte sich der Volkseigene Betrieb in eine GmbH und 1993 war die ganze Geschichte beendet. Mittlerweile wird an den denkmalgeschützten Industriebauten wieder gearbeitet, circa 120 Wohnungen entstehen hier in unmittelbarer Nachbarschaft des Lindenauer Hafens …

