Handel im Wandel II

Ausverkauf in der Erich-Köhn-Straße

Ausverkauf in der Erich-Köhn-Straße

Alteingesessene Läden, Geschäfte, die schon immer dagewesen sind, machten den Charakter einer Stadt, ihrer Viertel und Straßen aus. Sie trugen zu einem Gemeinschaftsgefühl bei, wurden ihre Namen genannt, wussten Großeltern, Eltern und Kinder bescheid. Blumen-Hanisch, Samen-Koch, Gummi-Klose* und Waffen-Moritz sowie Erselius, Zechendorf und Oelsner sagten allen Leipzigern was.

Auch Sport-Eule in der Otto-Schill-Straße, mittlerweile fast vergessen. Fedor Gross in Lindenau? Wurde von einem Verein gerettet – vorerst. Heute gibt es zwar alles zu kaufen, aber in den immer gleichen Ketten – ob in Halle, Mönchengladbach oder Leipzig, ob in der Innenstadt, im Paunsdorf-Center oder dem Saalepark (Nova Eventis). Das Buch „Geschäfte mit Geschichte“, erschienen 2001, hält Erinnerungen wach.

Unter anderem an die Drogerie Linke im Peterssteinweg 13: „Die Rezession der kleinen Läden macht auch vor der Drogerie Linke nicht halt. Für Tochter Martina ist die Übernahme der elterlichen Drogerie kein Thema. Peter und Gabriela möchten noch bis zum 31. Dezember 2001 ‚durchhalten‘. Wenn bis dahin kein Wunder geschieht, geht die kleine Drogerie, wenn der Euro kommt.“ Das Wunder blieb aus, Rossmann, Müller und dm dominieren das Geschehen.

Das traf auch die Drogerie Reinhold Hülse in der Georg-Schumann-Straße 61: „Nachdem … sich der Standort Georg-Schumann-Straße zunehmend verschlechterte, entschloss sich Peter Hülse schweren Herzens zur Geschäftsaufgabe. Am 28. Dezember 1998 schloss die Drogerie nach 120 Jahren für immer ihre Pforten.“ 120 Jahre! Davon 40 im Sozialismus …

Doch es gibt auch positive Beispiele: Die Musikalienhandlung M. Oelsner in der Schillerstraße 5 ist im Februar 157 Jahre alt geworden. Gegründet als Antiquariatsbuchhandlung gliederte ihr M. (= Maximilian) Oelsner 1884 ein Musikaliensortiment und Musikantiquariat an. Es folgten Umzüge vom ursprünglichen Standort Neumarkt in die Reichsstraße, wieder zurück und schließlich in die Schillerstraße. Alte Namen tragen z.B. auch die Juwelierläden Heinrich Schneider, seit 1888 im Alten Rathaus präsent, und Sonntag & Sohn, gegründet 1878 in der Kuhturmstraße 1, heute ansässig im Salzgässchen.

Wir haben noch ein paar Ladenbilder mehr im Sortiment und sahen gerade erst an der Ecke von Lützner und Odermannstraße das Tabakblatt im Türglas des heutigen An- und Verkaufs. Früher war das ein Tabak- und Zigarettengeschäft.

* siehe unseren Beitrag „Gummi-Klose gibt’s nicht mehr“ (Oktober 2015)

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