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Bezirkskrankenhaus / Parkstadt Dösen

Bezirkskrankenhaus / Parkstadt Dösen

Wollten wir uns als Kinder ärgern, riefen wir uns zu: „Du bist wohl aus Dösen?“ Jetzt waren wir zum ersten Mal dort. Denn die LVZ hatte letzte Woche unsere Neugier geweckt. In einem Bericht spazierten Anwohner und Interessierte durch die mit Gründerzeitbauten dekorierte Parklandschaft. Wir taten es ihnen nach. Von der Chemnitzer bis zur Paul-Flechsig-Straße führt ein Rad- und Fußweg durch das Gelände. Große Teile sind durch Zäune und Schilder abgesperrt, es gibt aber auch frei zugängliche Flächen im einstigen Bezirkskrankenhaus für Psychiatrie.

Auf homuth-architekten.de finden wir eine Ansicht der „Heilanstalt Dösen bei Leipzig“ vom Beginn des letzten Jahrhunderts und den Zukunftsplan der Parkstadt Dösen („Fertigstellung: geplant 2022“). Bauherr ist die Instone Real Estate mit Sitz in der Karl-Heine-Straße an der gerade wiedereröffneten Plagwitzer Brücke. Baumeister der historischen Anlage war um 1900 Otto Wilhelm Scharenberg (1851-1920), dem unsere Stadt u.a. auch das Stadtbad, das Leihhaus*, das Krankenhaus St. Georg und das Krematorium auf dem Südfriedhof zu verdanken hat, außerdem z.B. die Helmholtz- und die Leibnizschule**.

Uns erinnert die Dösener Parkstadt an die aufgegebenen Kasernen in Gohlis und Möckern, die ebenfalls für Wohnzwecke umgestaltet wurden und heute märchenhafte Marketingnamen tragen, Parc du Soleil, Kaisergärten, Siebengrün … Verblüffend: Das Gelände der ehemaligen Heilanstalt Dösen gehört heute zu Meusdorf. Und auf dem Stadtplan von 1983 (unten in der Bildergalerie) scheint es Teil von Probstheida zu sein?!

* siehe auch unseren Beitrag „100 Jahre Leihhaus“ (Oktober 2012)
** siehe auch unseren Beitrag „Gestern in der Leibnizschule“ (Januar 2020)
siehe allgemein zum Thema auch unsere Beiträge „Aufenthaltsraum für ruhige Herren“ und „Ein Park mit Vergangenheit“ (September 2014)

Nachtrag im April 2021: Dietmar hat uns geschrieben, ursprünglich um unsere Bunker-oder-Weinkeller-Frage zu beantworten … „Seit meiner Geburt bis 1957 habe ich in der Leinesiedlung, richtiger in der Gorbitzer Str. gewohnt. In der Heilanstalt Dösen, wie sie wohl damals hieß, haben beide Elternteile gearbeitet. Meine Mutter in der Nervenklinik und mein Vater in der Psychiatrie. Auf der asphaltierten Kegelbahn habe ich als Kind manchmal die Holzkegel aufgestellt. Damals befand sich noch ein hohes fast ständig verschlossenes Tor zwischen dem Klinikgelände und der Leinesiedlung.

Als Kinder sind wir im Winter mit unseren Schlitten darübergeklettert, um im Park schlitten- oder schlittschuhzufahren. Vom Teich wurden im Winter Eisblöcke herausgeschnitten, die dann auf dafür verlegten Schienen mit Loren zum sog. Eiskeller gefahren wurden. In dem Bild ist also die Bezeichnung ‚Bunker oder Weinkeller‘, jedenfalls zu meiner Zeit, unrichtig.

Damals war auch das gesamte Gelände nach Dösen hin mit einem über 2 m hohen Drahtzaun begrenzt. Neben diesem Zaun führte ein Feldweg nach Dösen, auf dem wir auf dem Schlitten den Stollenteig zum Backen nach  Dösen gefahren haben. Auf dem Schulweg die mit einem Zaun zum Klinikgelände begrenzte Gorbitzer Str. entlang  zur ‚Leninstraße‘ nach Probstheida, Crednerstr. kam man auch an dem Wasserturm vorbei, der nach meiner Zeit abgerissen wurde.

Damals war die ‚Leninstr.‘ ziemlich halbrund gepflastert, sodass im Winter immer wieder Fahrzeuge von der Straße rutschten. Damals konnten wir noch aus unserem Küchenfenster das ‚Bruno-Plache-Stadion‘, den Südfriedhof und das Völkerschlachtdenkmal sehen. Dazwischen befand sich ein großer Acker mit einem Teich, der sich aufgrund des Schachtes gebildet hatte. Nun ist ja alles bewaldet. Jetzt bin ich aber doch etwas abgeschweift. Eigentlich wollte ich das nur mit dem ‚Bunker, Weinkeller‘ richtigstellen.“ Herzlichen Dank, Dietmar!