Taschenkalender im Spielkartenformat waren in einem Land vor unserer Zeit gang und gäbe. Sie dienten zur Planung und der Werbung. Und hätte unser Mitstreiter Andreas nicht eine gewisse Anzahl dieser Zeitanzeiger aufbewahrt, wüssten wir schon gar nicht mehr von ihnen.
Dabei spielten sie im Alltag unserer Kindheit und Jugend eine ganz normale Rolle. Wir freuten uns, wenn wir welche bekamen und bewahrten abgelaufene Exemplare in der Schublade des Schreibtischs auf. Bei eBay werden die kleinen Kalender heute noch angeboten – zu stolzen Preisen, wie wir finden.
Zeigen wollen wir in erster Linie Leipziger Exemplare, wie den von Rolf Blas, der im Peterssteinweg mit Holz, Fußbodenbelag und Werkzeugen handelte, oder den mit den Adressen des Leipziger Batteriedienstes, der in der Karl-Liebknecht-Straße sogar eine Tankstelle betrieb (an die wir uns auch nicht mehr erinnern können).
Zum Fischsoßenhersteller Michel aus Thonberg bei Stötteritz haben wir sogar einen separaten Beitrag hier auf Geheimtipp Leipzig und freuen uns über die Altenburger Adresse sowie die in der Querstraße*. Befand sich in letzterer etwa ein Verkaufsraum?
Die Friseur-PGH Marcel jedenfalls saß mit Vorstand und Verwaltung in der Lindenauer Henricistraße, während das Kaufhaus Magnet an der Ecke von Nordstraße und Tröndlinring Kühlschränke, Waschmaschinen und weitere Haushaltgeräte für Elektro, Kohle und Gas offerierte.
Die iba-Kalender, -Plakate und -Fahnen haben wir noch vor Augen und bringen sie mit dem Messehaus am Markt (Ecke Petersstraße) in Verbindung. Dort wurden unserer Meinung nach bis in die 1990er Jahre Bücher ausgestellt.
Mit dem Reifendienst hingegen hatten wir seinerzeit ähnlich wenig Berührung wie mit dem oben erwähnten Batteriedienst. Dass die Gummiformabteilung am Felsenkeller zu Hause gewesen ist, freut uns dennoch.
Bei MLW an der Grenze von Leutzsch und Böhlitz-Ehrenberg hatten wir während unserer Grünauer Schulzeit PA-Unterricht und bauten u.a. reizvolle Zuckerzangen zusammen, wahrscheinlich im Rahmen der Konsumgüterproduktion, denn im Bereich Madizin und Labor dürften diese Geräte maxinal im Pausenraum zum Einsatz gekommen sein.
Stahlmann und Selzer sagen uns nichts, waren allerdings mit ihren Läden in der Innenstadt präsent. Dafür kennen wir die Leipzig-Information auf dem Sachsenplatz aus eigenem Erleben und haben uns garantiert auch schon zu DDR-Zeiten im Alten Rathaus die Ausstellung zur Stadtgeschichte angeschaut.
Wo wurden die Taschenkalender gedruckt? Aufgrund ihres Formats vermuten wir, dass sie aus der Spielkartenfabrik in der damals zum Bezirk Leipzig gehörenden Skatstadt Altenburg kamen.
Herzlichen Dank an Andreas!
Herzlichen Dank auch an Kerstin, die uns prompt weitere Kalender mailte, von den Leipziger Klavierbauern Blüthner und Rönisch sowie von Pneumant, bei denen wir bisher dachten, sie hätten nur Reifen hergestellt. „Zu Pneumant gehörten einige Leipziger Betriebe“, schreibt Kerstin, „u.a. VEB Plast- und Elastverarbeitung, später angegliedert an und bekannt als Gummiwerke Berlin in der Erich-Zeigner-Allee 44 (das heutige Kunststoffzentrum Leipzig).“
* „Zur Michel-Soße konnte meine Mutter mehr berichten, als dass sie lecker war. In der Querstraße – sie kam viele Jahre dort vorbei – war die Produktion der Firma. Verkauft wurden die damit marinierten Fische dann in den Fischgeschäften. Es gab ja einige davon, als Kind fand ich die sehr faszinierend und hab dort später auch gern eingekauft. Das letzte mir bekannte in der Lindenthaler Straße ist leider auch schon lange geschlossen.“ Das teilte uns Ines per Mail mit. Herzlichen Dank!

