Das Mockauer Rathaus

Mockauer Rathaus und Post auf einer Ansichtskarte, 1931

Mockauer Rathaus und Post auf einer Ansichtskarte, 1931

So wie wir manchmal mit Absicht ziellos durch die Stadt fahren, um etwas für uns Neues zu entdecken, so stöbern wir auch ab und an im Internet nach uns unbekannten Leipzig-Fakten. Dabei stießen wir auf historische Ansichtskarten des Mockauer Rathauses! Wir kennen die Mockauer Post; dass es in unmittelbarer Nachbarschaft einmal ein Rathaus gegeben hat (wahrscheinlich bis in die Jahre des Zweiten Weltkriegs hinein), war ein solcher uns unbekannter Fakt. Gleich neben der Post und ähnlich prächtig – das Rathaus mussten wir haben. Zehn Euro und es war unser, hier ist es!

Seine einstige Position teilen sich heute ein Nachwendegeschäftshaus, in dem u.a. die Drogerie Rossmann einquartiert ist, und eine Tankstelle der seltenen Marke Gulf. Die Grünanlage, von der aus der Ansichtskartenfotograf vor Jahrzehnten seine Aufnahme in den Kasten brachte, fristet ihr wenig beachtetes Dasein zwischen Eisenbahn- und Straßenbahngleisen, ist aber immerhin noch vorhanden. 1931 wurde die Rathauskarte erstmals verschickt. Als sie 85 Jahre später bei uns eintraf, fuhren wir sofort in den Nordosten und legten erst an der Eis-Manufaktur eine Pause ein.

Seit einem halben Jahrzehnt wird an der Ecke von Mockauer und Leonhardtstraße Eis produziert, zum Beispiel Karamell- und Kekseis, aber auch die altbewährten Sorten Schoko, Vanille und Frucht (= Erdbeer). Sehr gut! Hinter Rosen und Hecken sitzt man gemütlich und liest beim Löffeln in der Karte von der Geschichte der Erfrischungsspeise sowie von Zusatzstoffen, die hier nicht verwendet werden. Das Ladenlokal beherbergte, bevor die Eishandwerkerei in ihm ihren Betrieb aufnahm, unter anderem ein chinesisches Restaurant (deswegen der auffällige Deckenschmuck) und ein Schuhgeschäft.

Fährt oder läuft man anschließend weiter in Richtung ehemaliges Rathaus, sieht man auf der linken Seite einen ungewöhnlich bemalten Asia-Imbiss plus Nagelstudio. Harry Potter schaut von der Wand, als hieße er Ulrich Blass, ein paar Kolleginnen und Kollegen aus der Filmbranche tun es ihm gleich. Warum? Weil das Ganze einst eine Videothek gewesen ist.

Und wenn wir schon einmal so weit gekommen sind, können wir auch noch den Bagger (Naturbad Nordost) besuchen. Der kommt uns vor wie Kulkwitz in klein, Bäume und Wiesen ziehen sich drumherum, es gibt die Seeterrassen und das Eiscafé sowie die Sauna, Neubaublöcke in Katzensprungentfernung und klares Wasser, alles wirkt erholsam und ursprünglich. Auf einer Informationstafel verraten die zuständigen Angler, dass das Gewässer durch Kiesabbau entstanden ist und bis in die 1990er als Freibad genutzt wurde. Mittlerweile gilt es als Landschaftssee …

Zurück zum Rathaus: Wir haben in zwei Artikeln solche in Leipziger Stadtteilen gesammelt (siehe „Leipziger Rathäuser I und II“ vom November 2013). Neben dem Mockauer, dessen Existenz wir nunmehr bebildern können, fehlen uns noch ein paar ehemalige Gemeindeämter (unter anderem Engelsdorf) sowie zum Beispiel auch das Rathaus von Probstheida. Und in Stünz fanden wir lediglich Reste eines Ratskellers. Gab es da mehr? Irgendwann werden wir es wissen …

siehe auch unseren Beitrag „Die Mockauer Post“ (Januar 2013)

Nachtrag: Ende Juli 2016 wurden im Bagger zwei Leichen gefunden und der See für einige Tage von der Polizei gesperrt.

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