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B3 – Abschied ohne Schmerz

B3 - Abschied ohne Schmerz

Die Freiluftgalerie B3, auch Galerie am Weißen Tor genannt, sieht dem letzten Monat ihrer Existenz entgegen. Am 30. September müssen die Betreiber das Gelände, eine Brachfläche in der Breitkopfstraße 3, geräumt haben. Betreiber sind Henrietta und Bartek von der Slawischen Nacht, die sich an sieben schöne Jahre hier erinnern werden und zum Ende hin noch einmal richtig loslegen. So gibt es am 18., 26. und 27. September hinter dem Weißen Tor Abschlussveranstaltungen mit Essen, Trinken, Feuerschale und Musik, am 26. sogar eine kleine Ausgabe ihrer mittlerweile leipzigweit bekannnten Reihe Slawische Nacht und am 27. die Teilnahme am Tag der Offenen Ateliers.

Darüber hinaus plant Bartek, sein Atelier im Freien ab 7. September jeweils nachmittags offen zu halten, Neugierige können dann kommen, gucken und fragen. Und zu gucken gibt es unüberschaubar viel, einerseits die Skulpturen und Objekte des aus Krakau stammenden Künstlers und anderseits die überbordende Materialsammlung. Letztere rege seine Fantasie an, verrät Bartek und fügt hinzu, dass natürlich jeder andere Möglichkeiten darin sehe. Es habe bei ihm mal einen Workshop mit 30 Kindergartenkindern gegeben, die mit all dem Zeug sofort unbefangen gearbeitet hätten, erwachsene Teilnehmer wiederum mussten sich erst einmal einleben, zurechtfinden und orientieren, denn solch einen Ort hätten sie noch nie erlebt, im Anschluss entstanden allerdings Sachen, an die sie vorher nie gedacht hatten.

Auf dem Grundstück nahe des Lene-Voigt-Parks fanden seit Oktober 2018, dem Beginn des Pachtvertrages mit einmonatiger Kündigungsfrist, die verschiedensten Veranstaltungen statt, Filme, Bilder und Skulpturen wurden gezeigt und Musik gespielt, u.a. seien sie Ort des Ostlichter-Festivals gewesen. Zu Corona-Zeiten, erinnert sich Henrietta war die Galerie auch Proberaum im Freien, da man sich ja damals in geschlossenen Räumen nur in Kleinstgruppen treffen durfte. Selbst als Fitnessclub konnte die Brachfläche dienen, ebenfalls während der Lockdown-Beschränkungen – Henriettas und Barteks Sohn studiert Sport und trainierte hier gemeinsam mit Freunden.

Bartek nimmt den Abschied vom Gelände gelassen und ohne Schmerz und Trauer hin. Er hätte sich in diesem Mikrokosmos zwischen zwei Hauswänden mit offenem Blick in den Himmel zwar wie in seinem Teil des Universums gefühlt, sei nun aber neugierig auf das Neue, denn irgendetwas werde sich ergeben. „Wir machen alles, was möglich ist, und denken gar nicht an das Ende“, bestätigt ihn Henrietta und erzählt, dass beide nicht zum ersten Mal neu anfangen müssten, ihre Slawische Nacht brauchte nach dem Aus von Knicklicht und Four Rooms ebenfalls neue Räume und fand sie völlig unerwartet in der Moritzbastei und dem Felsenkeller.

Zum Glück haben sie ja ihr genossenschaftlich organisiertes Wohnhaus gleich um die Ecke als Basis, wo u.a. die Kellerausstellungen laufen, in der Stube geprobt und auf dem Hof gefeiert werden könne. Dennoch freut sich Bartek über jeden Tipp, wohin er in unserer scheinbar komplett aufgeteilten Stadt mit seinen Objekten und Materialien ausweichen und die Freiluftgalerie inklusive Werkstatt fortführen darf. Eine schöne Überraschung war die Ankündigung des ab Winter 2026 hier 24 Eigentumswohnungen bauenden Unternehmens, an der Fassade oder im Hof an das künstlerische Wirken der B3 erinnern zu wollen.

Nächste Slawische Nächte: 26.09. Leipzig, Galerie B3 / 17.11. Dresden, Ostpol / 21.11. Leipzig, Felsenkeller

siehe auch unsere Beiträge „Sachsen und Polen“ (Februar 2013), „Mit Will Eifell in die Moritzbastei“ (November 2019) und „Kulturexport nach Dresden“ (Mai 2023)