Fotomotive Historie

Klostergasse, Nikolaistraße, Hainstraße

Klostergasse, Nikoliastraße, Hainstraße

Als wir letztens ein Werner-Otto-Foto aus der Nikolaistraße in den 1980er Jahren auf unserer Facebook-Seite zeigten, wurden mehrmals Vermutungen laut, es handele sich um ein von Künstlicher Intelligenz geschaffenes Bild. Glücklicherweise konnten sich aber auch genügend Leute erinnern und versichern, ja, genau so habe es damals hinter der Alten Nikolaischule ausgesehen: Ein ungenutzt wirkender Hof, umgeben von historischen Gebäuderückseiten – heute befindet sich an dieser Stelle der Strohsack bzw. die Strohsack-Passage. Doch was lagerte in der DDR-typischen Baracke oder wer arbeitete dort?

Vom leicht eingerückten Laden in der Klostergasse wissen wir dank Eurer Kommentare mehr. Karin machte den Anfang: „Da war Frau Stübler drin. Ein Lebensmittelladen.Später war es eine Softeisdiele. Oben drüber wurden Lederwaren hergestellt, bis 1983.“ Dirk erwiderte: „Frau Stübler – das war ein Süßwarenladen. Aber es gab auch Brot und Getränke. Übrigens, ein paar Meter zurück Richtung Barfußgässchen hatte Frau Filzmeyer ihren kleinen Lebensmittelladen. Sie packte noch jedes Stück Butter einzeln ein. Frau Stübler zog dann, wenn ich mich recht erinnere, gegenüber in den ehemaligen Gemüseladen von Frau Gehrke und führte dann einen Tabakladen.“

Geh Weitermann aktualisierte: „In dem Neubau war anfangs ein RFT-Laden. Aber das Angebot war schlechter als in dem Laden in der Petersstraße.“ Und Erik ergänzte: „Elektronik bzw. Lampen! Und rechts daneben ist Hotel de Saxe! Das Portal hat mein Vater neu gemacht! Mit Arbeitskollegen von der Denkmalpflege Leipzig!“ An RFT erinnern wir uns nun auch, dahin haben wir unseren Kassettenrekorder zur Reperatur gebracht, wenn er leierte. Und das – kopierte – Portal vom Hotel de Saxe galt Ende der Achtziger fast als Sehenswürdigkeit. Das Buch „Leipzig – Baumeister und Bauten“ (Tourist Verlag 1990) erwähnt es auf Seite 81 sowie Eriks Vater, den Leipziger Bildhauer Peter Lager.

Ab in die Hainstraße! Dort war schon immer viel los, Menschenmassen liefen und laufen seit eh und je über sie vom Brühl zum Markt und umgekehrt. Zu Beginn der 1990er Jahre wurde hier wie wild saniert, rekonstruiert, entfernt und auch einiges neu hingestellt. Gerüste erschwerten den Massen das Durchkommen, dafür eröffneten sich für Interessierte nie gehabte Blicke in die Innenhöfe. Unterdessen verschwanden alteingessene Leipziger Geschäfte wie Lederwaren-Erselius und Gummi-Klose, während kleinere und größere Ketten in der Hainstraße ihre Filialen eröffneten und schlossen.

Werner schrieb über seine bestimmt 35 Jahre alten Hainstraßenbilder: „Die Zombiestraße – so soll sie damals von einem Mitarbeiter der Stadt Leipzig bezeichnet worden sein. Im Bereich des Durchgangs ‚Der große Joachimsthal‘ wurde ganz schön abgerissen – und dann neu gebaut. Zu sehen ist durch die entstandene Lücke der Hofneubau vom Fregehaus-Komplex.“ Auch wir versuchten uns damals an der Dokumentation all der Veränderungen, aber lange nicht so professionell wie Werner. Das Aufmacherbild ganz oben ist von uns und zeigt die Alte Nikolaischule zu Beginn der 1990er Jahre.

Herzlichen Dank an Werner Otto und die FB-Kommentatoren!

siehe auch unsere Beiträge „Von Freundschaft und Rille“ (März 2026), „Leipzig-Bilder aus dem Jahr 1991“ (Juni 2021) und „Noch mehr Bilder aus dem Jahr 1991“ (Januar 2026)