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Die Bleichert-Geschichte, Teil 1

Die Bleichert-Geschichte, Teil 1

Wieder einmal dank Hans-Werner bekamen wir ein Buch in die Hände oder besser einen Prachtband, dessen Inhalt von großem öffentlichen Interesse sein dürfte. Deswegen zitieren wir aus diesem Werk von 1908, das folgendermaßen überschrieben ist: „Ihren Gönnern und Freunden anläßlich der Inbetriebnahme ihrer neuen Fabrikanlagen von Adolf Bleichert & Co Leipzig-Gohlis“. Den Druck übernahmen seinerzeit Fischer & Wittig, Leipzig, die Weiterverarbeitung die Baumbach‘sche Dampfbuchbinderei Max Baumbach, Leipzig, und die Illustrationen stammen von M. Honegger, ebenfalls aus Leipzig. Das erste Bild zeigt die Drahtseilbahn-Verladeanlage bei Thio in der französischen Kolonie Neukaledonien. Beeindruckend!

„Die Geschichte des Hauses Bleichert ist mit der Entwicklungsgeschichte der Drahtseilbahnen und in ihrer Folge mit der der industriellen Transporteinrichtungen überhaupt eng verknüpft. Bis zu Beginn der siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts hatte sich die Drahtseilbahn noch kaum über das Niveau gelegentlicher handwerksmäßiger Ausführungen erhoben. (…)

Erst Adolf Bleichert hatte einen vollen Erfolg. Der kaum 26jährige, der nach Absolvierung seiner Studien im Jahre 1870 bei der Firma Martin in Bitterfeld als Ingenieur eintrat, arbeitete in dieser Stellung auf eigene Faust, unbeeinflußt von seiner beruflichen Tätigkeit, die sich mehr auf Mühlenbau bezog, ein vollständiges System zu einer neuen Drahtseilbahn aus. (…)

Eine Fülle von Einzelerfindungen ist in den ersten Patenten niedergelegt, die Bleichert 1874 in den deutschen Bundesstaaten erwirkte und die sich vereinigt in dem nach der Einführung des Reichspatentgesetzes erteilten ersten Patent No. 2934 wiederfinden. (…)

Der verhältnismäßig kleine Tätigkeitskreis, in dem Bleichert in seiner Bitterfelder Stellung zu wirken hatte, in dem er auch keinerlei Gelegenheit fand, seine Ideen einer Drahtseilbahn zur Ausführung zu bringen, veranlaßten ihn im April des Jahres 1872, zu der damals neu gegründeten Halle=Leipziger Maschinenfabrik und Eisengießerei in Schkeuditz als technischer Dirigent überzutreten, woselbst sich ihm bald Gelegenheit bot, seine bis dahin nur auf dem Papier stehenden Pläne und Entwürfe in die Wirklichkeit umzusetzen. Nach seinen Angaben allein, unter Mitarbeit des damals in derselben Fabrik beschäftigten Betriebsingenieurs (Theodor) Otto, entstand die erste eigentliche Drahtseilbahn in der Nähe von Halle bei der Teutschenthaler Solaröl- und Paraffinfabrik. Sie war ein voller Erfolg in technischer und wirtschaftlicher Beziehung und bildet den Ausgangspunkt für den ganzen Drahtseilbahnbau. Der Erfolg war derart, daß Bleichert beschloß, sich fernerhin unter eigener Firma nur der Ausbildung dieses so glücklich begonnenen Systems zu widmen und die Einführung und Ausbreitung seiner Drahtseilbahnen in der Großindustrie zu seiner Lebensaufgabe zu machen. Kurz nach ihm schied aus der Halle=Leipziger Maschinenfabrik und Eisengießerei auch sein Mitarbeiter Otto, und im Juli des Jahres 1874 wurde die Firma Bleichert & Otto in Schkeuditz bei Leipzig gegründet, ein bescheidenes Bureau, in dem außer den beiden Chefs nur noch ein oder zwei Beamte in emsigem Schaffen sich abmühten, die in Teutschenthal gewonnenen Erfahrungen zur weiteren Ausbildung des Systems zu verwenden. So entstand die erste Anlage der Firma Bleichert, eine nur Versuchszwecken dienende Drahtseilbahn von wenigen 100 m Länge, die auf dem Gelände der Ziegelei des Herrn Eduard Brandt in Gohlis errichtet wurde. (…)

Die Kleinstadt Schkeuditz war jedoch kein geeigneter Boden für die Tätigkeit der beiden aufstrebenden Ingenieure. Schon nach wenigen Monaten verlegten sie ihr Bureau nach Leipzig, woselbst in der Weststraße eine größere Zimmerflucht mietweise übernommen wurde. (…)

Die erste Anlage, die auch die Auftragsnummer 1 in den Büchern der Firma Bleichert trägt, wurde für die damalige Pommersche Portlandzementfabrik in Lebbin (Pommern) in Auftrag genommen und Anfang 1875 dem Betriebe übergeben. … Alfred Krupp, dessen Urteil in technischen Dingen zu damaliger Zeit wohl unbestritten maßgebend war, vertraute die Transporte seiner ausgedehnten Erzgruben und Hüttenwerke an der Lahn und in Spanien der jungen Erfindung an und ließ sich schon 1875-76 ausgedehnte Seilbahnanlagen von der Firma bauen. (…)

Schon im Laufe des Sommers 1876 schied Otto aus der Firma aus. (…)

Von Ende 1876 bis 1. Oktober 1877 führte Bleichert sein Bureau unter der Firma ‚Adolf Bleichert‘ allein, um an diesem Tage seinen Schwager, den Kaufmann Heinrich Piel, zunächst als Prokurist, später als Teilhaber in die Firma aufzunehmen. Das Bureau wurde am 1. Oktober 1878 von der Weststraße nach der Humboldtstraße verlegt. Eine schon 1877 gemietete kleine Fabrik bei Neuschönefeld beschäftigte zu Beginn des Jahres 1878 etwa zwanzig Arbeiter, während das Bureau aus sechs Beamten bestand.“

wird fortgesetzt