Historie Schöne Plätze

Gnandstein, Kohren-Sahlis, Rüdigsdorf

In letzter Zeit durften wir uns so oft über Glück mit dem Wetter freuen, dass wir kein bisschen zürnten, als dieser Ausflug nach und nach ins Wasser fiel. Unser Ziel war die Burg Gnandstein, die wir vor Jahren, wenn nicht Jahrzehnten das letzte Mal besucht hatten. Damals gab es dort noch ein Körnerzimmer* und durfte man den Turm besteigen, was nunmehr die Baupolizei untersagt.

Doch auch ohne diese beiden Sachen lohnt sich die Fahrt zur beeindruckenden Wohnstätte der Einsiedels, es gibt viel zu sehen und im Kindererlebniszimmer sogar ein Ritterturnier auszutragen. Am Parkplatz zu Füßen der alten Wehranlage wurde außerdem ein toller Burgspielplatz angelegt.

Ebenfalls vor Jahrzehnten hatte uns ein Wandertag nach Kohren-Sahlis geführt. In Erinnerung geblieben sind der Töpferbrunen und Menschenmengen drumherum. Diesmal waren wir fast allein vor Ort, sahen, dass ein Turm der Burgruine gerade saniert wird und den originellen Konsum neben der Töpferei Arnold. Selbstverständlich nahmen wir auch den nach wie vor schönen Töpferbrunnen unter die Lupe, um kurz darauf in Rüdigsdorf alten Leipzigern zu begegnen – Gnandstein, Kohren-Sahlis und Rüdigsdorf liegen unmittelbar nebeneinander.

Nun zu den alten Leipzigern: Vater Siegfried Leberecht Crusius (1738 – 1824) führte die Teubnersche Buchhandlung, bildete Göschen aus und verlegte u.a. Hahnemann, Schiller und Weiße sowie damals schon ein „Leipziger Wochenblatt für Kinder“. Eine Straße in Reudnitz wurde nach ihm benannt. Sohn Heinrich Wilhelm Leberecht Crusius (1790 – 1858) erbte von ihm das Gut Rüdigsdorf, dessen Herrenhaus er zu seinem Sommerwohnsitz machte.

Er ließ einen Englischen Park anlegen und eine Orangerie bauen, zu der ein von Moritz von Schwind ausgemalter Musiksalon, der Schwindpavillon, gehört. Einer der Crusius-Nachfahren bewirkte später den Bau einer Eisenbahnverbindung nach Kohren-Sahlis, diese ging 1906 in Betrieb und machte das Kohrener Land zu einem Ausflugsziel für Leipziger. Leider wurde die Strecke 1967 stillgelegt, wie in einem Schaufenster des örtlichen Geschichtsvereins am Markt des Töpferstädtchen zu erfahren ist.

Als der Regen immer unnachgiebiger wurde, reisten wir weiter ins nahe Altenburg, das wir auch von Klassenfahrten, Wandertagen und Ausflügen kennen und sehr mögen – diesmal erinnerte uns die Skatstadt allerdings an Zeitz**. Wir müssen nochmal bei schönem Wetter kommen.

24./25.10.2026: Familienwochenende „Mittelalter hautnah“ mit dem Mark Meißen e.V. auf Burg Gnandstein

Das Wanderheft „Leipziger Ausflugsziele“ (1969, F.A. Brockhaus Verlag) schlägt eine Tour ins Kohrener Land vor und benennt als Stationen Kohren-Sahlis, Rüdigsdorf, Gnandstein, Streitwald und Frohburg. Es erwähnt einen Rokokopark im Ortsteil Sahlis und in dem Zusammenhang den Namen S.L. Crusius. Weiterhin lesen wir vom Tal der Maus, einem Gellertbrunnen*** bei Rüdigsdorf sowie dem Aufenthalt Theodor Körners („des Dichters der Befreiungskriege 1813“) auf Burg Gnandstein, außerdem von Schloss Wolftitz, der Ausflugsgaststätte Jägerhaus und der „frühdeutschen Wehranlage“ Wolfsburg. Noch mehr neugierig machende Anregungen!

* siehe unseren Beitrag „Körnerhaus und Körnerstein“ (April 2012)
** siehe unseren Beitrag „Zeitreise nach Zeitz“ (Oktober 2021)
*** siehe unseren Beitrag „Wer kennt Gellert“ (September 2018)